"Indianer" - Unsere Vorstellungen und wie es wirklich ist
Die Basis für eine Begegnung mit Native Americans auf Augenhöhe

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Die Bezeichnung "Indianer"

In Deutschland wird seit mehreren Jahren extrem kontrovers über die politisch korrekte Bezeichnung für eine sehr große Anzahl von Nationen diskutiert, die sich so sehr voneinander unterscheiden, wie die Völker auf dem europäischen Kontinent. Und paradoxerweise finden diese Diskussionen zum allergrößten Teil ohne die Beteiligung derer statt, um die es dabei geht: Die indianischen Stammesnationen und Communities in den USA und Kanada.

Vor dem geschichtlichen Hintergrund betrachtet, stellt diese Vorgehensweise ein großes Problem dar. Nach der Eroberung des amerikanischen Kontinents und der Einrichtung von Reservationen, wurden Native Americans wie Unmündige behandelt. Dies bedeutet, dass sie sehr viele Entscheidungen nicht alleine treffen durften. Sie mussten ihren jeweiligen "weißen" Vormund um Erlaubnis bitten. Es kommt deshalb bei vielen Native Americans gar nicht gut an, wenn wir solche Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg fällen.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass sich die indianischen Stammesnationen und Communities alles andere als einig darüber sind, welche Bezeichnungen angemessen wären. Wie denn auch? Allein in den USA gibt es 574 staatlich anerkannte (federally recognized) Tribal Nations, Communities, Villages, Rancherias und Bands.

Der Begriff "Native Americans" gilt in den USA bereits seit Jahrzehnten als politisch korrekt. Er steht ganz offensichtlich mit der indianischen Widerstandsbewegung der 1970er Jahre in Verbindung und wurde dann durch die US-Medien immer weiter verbreitet. Wenn ein Begriff als "politisch korrekt" angesehen wird, dann führt dies nicht zwangsläufig dazu, dass er auch von allen übernommen wird.

Das Wort "Indian" wird in den USA parallel zur Bezeichnung "Native Americans" nach wie vor verwendet. Viele Stammesnationen und Communities tragen dieses Wort in ihrem Namen. Es ist richtig, dass der Begriff "Indians" früher eine Fremdbezeichnung war, jedoch ist er im Laufe der Jahre oft zu einer Eigenbezeichnung geworden und diese wird jetzt von Menschen in Europa als "rassistisch" bezeichnet.


"Indianer" ist die deutsche Übersetzung des Wortes "Indian". Unseren Kindern wird hier in Deutschland seit einiger Zeit beigebracht, dass sie das "böse I-Wort" nicht mehr sagen sollen. Die Behauptung, das Wort "Indianer" sei eine "rassistische Fremdbezeichnung" wird von vielen einfach so übernommen und noch weiter verbreitet. Solche Pauschalaussagen sind problematisch. Das Thema ist wesentlich komplexer und deshalb habe ich mehrere Beiträge dazu geschrieben. Ich möchte gerne meinen Teil dazu beitragen, dass sich die Wogen wieder glätten.

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