"Indianer" - Unsere Vorstellungen und wie es wirklich ist
Die Basis für eine Begegnung mit Native Americans auf Augenhöhe

Infoseiten - Vorwort

Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam stabile Brücken bauen

Ich arbeite seit 35 Jahren mit Native Americans zusammen und es ist mir wichtig, meinen Beitrag dazu zu leisten, dass eine stabile Brücke zwischen den verschiedenen Nationen entsteht und dass wir uns alle auf Augenhöhe begegnen können. Aus diesem Grund möchte ich nicht als "Indianer-Expertin" angesehen werden. Das wäre genauso, als würde jemand behaupten, er oder sie sei "Europa-Experte". Ich kann nicht für die vielen indianischen Nationen und Communities sprechen. Ich kann noch nicht einmal sagen, ich würde die Meinung der Native Americans vertreten, mit denen ich zusammenarbeite, befreundet oder gut bekannt bin. Wir sind uns bei weitem nicht in allen Punkten einig. In den USA gibt es 574 Stammesnationen, Villages, Communities, Bands und Rancherias. Sie wurden von der US-Regierung anerkannt (federally recognized) und sie haben eine Government-to-Government Relationship (eine Beziehung von Regierung zu Regierung). 

Was ich teilen möchte, sind meine eigenen persönlichen Erfahrungen, die aus den Zeiten stammen, in denen ich sehr viel Zeit mit Native Americans verbringen konnte. Mittlerweile ist es so, dass der größte Teil meiner indianischen Freunde und Bekannten in den USA und Kanada lebt. Wir nutzen das Internet, um uns auszutauschen. Ich lege einen großen Wert darauf, möglichst auf Internetseiten, Artikel und Videos zu verlinken, die von Native Americans selbst produziert wurden. Das ist nur im Login-Bereich möglich, damit die Kinder von hier aus nicht auf externe Inhalte zugreifen können, die für ihre Altersstufe evtl. nicht geeignet sind.

Um dorthin zu gelangen, wo ich heute stehe, bin ich einen weiten und oft steinigen Weg gelaufen. Ich sehe die neuen Möglichkeiten, die durch die immer stärker werdende weltweite Vernetzung entstehen, als Chance. Ich möchte, dass wir uns alle gemeinsam weiterentwickeln und dass dadurch endlich die alten Wunden heilen können, die schon während der Kolonialzeit entstanden sind. Ich möchte nicht, dass sich Fronten bilden oder dass sich bestehende Fronten verhärten. Ich habe in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass radikale Grundeinstellungen und eine scharfe Kritik nicht dazu geeignet sind, eine Brücke zwischen den verschiedenen Nationen zu erschaffen. Ich finde, es ist sehr wichtig zu reflektieren, wie wir "Indianer" wahrnehmen, was wir zu Wissen glauben oder wirklich wissen, was wir empfinden (z.B. ein Verbundenheitsgefühl) und was uns wichtig ist.

Aus diesem Grund möchte ich dazu auffordern, Fragen zu stellen und zwar ganz gleich, wie seltsam diese vielleicht klingen mögen. Ich kann auf jeden Fall eine erste Einschätzung geben und dann anschließend weiter recherchieren und bei Native Americans nachfragen. Ein offener Umgang mit dem, was bis jetzt vermittelt wurde, ist ebenfalls wichtig, weil ich nur dann Informationen zu genau diesen Themen und Projekten zur Verfügung stellen kann.

Kontakt


Wir haben im Laufe der vielen Jahre Alternativen zu Angeboten entwickelt, von denen wir wissen, dass sie problematisch sind. Diese Vorschläge möchte ich zu einem späteren Zeitpunkt näher erläutern. Es ist möglich, vieles so umzugestalten, dass der Vorwurf der kulturellen Aneignung aus dem Weg geräumt werden kann. Es gibt jedoch auch Darstellungen, Projekte, Bastelangebote etc., die meiner Meinung nach nicht mehr zu rechtfertigen sind, denn viele Native Americans weisen mit Hilfe des Internets und der Medien darauf hin, dass es sich dabei um Stereotypen handelt. Ich möchte Schritt für Schritt erklären, warum die Verbreitung von stereotypen Vorstellungen alles andere als harmlos ist. Vieles war mir in der Vergangenheit selbst nicht bewusst. Auch für mich war und ist es ein ständiger Lernprozess.

Carmen Kwasny


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